Haina(pm). Einmal jährlich treffen sich Forensik Expertinnen – und Experten aus der ganzen Welt zum Austausch. Ihr Ziel: Die Behandlung im Maßregelvollzug verbessern. Ausrichter ist die International Association of Forensic Mental Health Services (IAFMHS). Unter den Teilnehmenden sind in jedem Jahr auch Mitarbeitende der Vitos Kliniken für forensische Psychiatrie Gießen und Haina. Unter der Leitung der Ärztlichen Direktion Dr. Beate Eusterschulte (Gießen) und Dr. Sven Krimmer (Haina) hat ein interdisziplinäres Team, das unter anderem aus Ärztinnen/Ärzten, Psychologinnen/Psychologen, Sozialarbeiterinnen/ Sozialarbeitern und Pflegekräften bestand, die Tagung besucht, die in diesem Jahr in Dublin (Irland) stattfand. Länderübergreifend setzten sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Themen rund um Recht und psychische Gesundheit auseinander. „Uns alle eint ein Ziel: Psychisch kranke Menschen, die eine schwere Straftat begangen haben, sollen geheilt werden, so dass sie keine Gefahr mehr darstellen“, erklärt Dr. Sven Krimmer. „Dafür ist der Austausch mit internationalen Fachleuten sehr wertvoll.“ Zugleich entstehe bei den Tagungen ein internationales Kontaktnetz, von dem unter anderem auch Behörden in Deutschland profitierten – etwa im Zusammenhang mit dem Themenfeld Flucht und Migration. „Wichtig für unsere praktische Arbeit ist auch die Verknüpfung mit Wissenschaftlern“, sagt Oberärztin Dr. Angelika Marc von der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina. „Wir profitieren von dem Austausch von Theorie und Praxis.“ Zu den in diesem Jahr besonders diskutierten Punkten zählt die aktuelle Version des ICD-11, der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. Darin werden unter anderem Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen neu definiert. Und auch künstliche Intelligenz und Virtual Reality gewinnen bei der Behandlung psychisch kranker Menschen an Bedeutung.
Bei der IAFMHS-Konferenz, die jedes Jahr in einer anderen Stadt auf der Welt stattfindet, wurde auch über HCR-20 gesprochen, ein weltweit genutztes Instrument zur Vorhersage von Gewalttaten, das stetig weiterentwickelt wird. „Für uns ist es auch bei diesem Thema immens wichtig, Neuigkeiten von unseren internationalen Kolleginnen und Kollegen zu erfahren“, betont Dr. Sven Krimmer. Zu den Gründervätern der im Jahr 2000 ins Leben gerufenen Vereinigung zählt der langjährige Ärztliche Direktor der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina, Dr. Rüdiger Müller-Isberner. Er war von 2003 bis 2005 auch Präsident des IAFMHS. Während des Weltkongresses wird jährlich der nach ihm benannte Müller-Isberner-Award verliehen. Preisträgerin war in diesem Jahr Prof. Anne Crocker (Kanada).
Hintergrund
IAFMHS steht für International Association of Forensic Mental Health Services (Internationale Vereinigung für forensisch-psychiatrische Gesundheit). Die Organisation fördert den Austausch von Wissen und Forschungsergebnissen im Bereich der forensischen Psychiatrie und strebt die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen an, die mit dem Strafrechtssystem in Berührung kommen. Sie gründet sich auf der Überzeugung, dass Probleme, die sich aus der Interaktion zwischen Recht und psychischer Gesundheit ergeben, am besten durch multidisziplinäre und länderübergreifende Ansätze unter Einbeziehung von Recht, Gesundheitsberufen, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften angegangen werden können./od

